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Interview



Die neue Steuerförderung in der Praxis:
Interview mit einem Steuerberater

Anfang des Jahres wurden nicht nur die Zuschüsse der Kredit­anstalt für Wieder­aufbau (KfW) erhöht, sondern als zusätzlicher Anreiz für die Um­setzung energetischer Maß­nahmen wie einer Dämmung mit EPS die Möglich­keit einer Steuer­förderung vom Bund genehmigt. FSDE fragte bei Steuer­berater Jakob Grotter aus Ingol­stadt nach, inwieweit seine Klienten dieses Angebot bereits in Anspruch genommen haben.


Seit Anfang des Jahres lassen sich die Kosten für die Wärme­dämmung steuerlich absetzen. Stehen seitdem die Haus­besitzer in Ihrer Kanzlei Schlange?

Aktuell ist die Resonanz zum Thema "Steuer­abzug bei energetischen Sanierungen" noch verhalten. Dies liegt natürlich daran, dass es sich um eine noch sehr aktuelle Maßn­ahme handelt, die im Dezember 2019 den Bundes­rat passiert hat und erst mit der kommenden Steuer­erklärung aktuell ist. Zudem benötigen energetische Sanierungen natürlich vorab einen gewissen Über­legungs- und Planungs­vorlauf. Um unsere Mandanten zeitnah über diese neu geschaffene Möglich­keit zu informieren, hatten wir bereits in unseren "Hinweisen zum Jahres­wechsel" die Thematik aufge­griffen. 

Trotz der anfäng­lich verhaltenen Resonanz rechne ich aber damit, dass das Thema in diesen Monaten stark an Fahrt aufnehmen wird, da es sich um eine attraktive Möglich­keit handelt mit Unterstützung vom Finanz­amt energetische Maß­nahmen weitgehend unbüro­kratisch umzusetzen.


Nur bei selbst genutzten Wohnhäusern: Steuerförderung für eine nachträgliche Dämmung mit EPS

Was ist Ihre Empfehlung, wenn ein Haus­besitzer mit dem Thema Wärme­dämmung auf Sie zukommt?

In einem ersten Schritt gilt es immer, die indi­viduelle Situation des Mandanten zu beleuchten. Beispiels­weise spielt es eine entscheidende Rolle, welches Objekt mit einer Wärme­dämmung versehen werden soll. Handelt sich bei dem Objekt um das private Wohn­haus oder eventuell um ein nur teil­weise selbst genutztes Gebäude? Nach Klärung der Sachlage können dann die ent­sprechenden steuerlichen Register gezogen werden, um damit den Mandanten bei der Umsetzung der Wärme­dämmung zu unter­stützen. Private Haus­besitzer müssen jedoch im Hinter­kopf behalten, dass der neue Steuer­abzug für energetische Maß­nahmen nur bis zum Jahr 2029 gilt – bis dahin müssen geplante Maß­nahmen durch eine Fach­firma ausge­führt und abge­schlossen sein. Und leider sind auch bereits im Jahr 2019 begonnene Maß­nahmen von der Steuer­förderung ausge­schlossen.

 


Der an­gehende Rentner braucht vermutlich ein anderes Ange­bot als die junge Familie, die ein neues Haus bauen möchte?

Das ist richtig. Die indivi­duelle Lebens­situation spielt für die Auswahl des passenden Angebots eine ent­scheidende Rolle. Dies hat zum einen damit zu tun, dass die Kosten für die Wärme­dämmung direkt von der Steuer­schuld abge­zogen werden. Zum anderen gilt es aber auch, die gesetz­lichen Rahmen­bedingungen mit zu beachten – nicht für jeden ist alles gleich sinn­voll. 

Bei einem ange­henden Rentner kann es durch­aus sinn­voll sein, die Maß­nahme vorzu­ziehen, da meistens bei Renten­bezug die Steuer geringer wird und damit die Steuer­förderung nicht mehr oder nur teilweise genutzt werden kann.

Oder die von Ihnen ange­sprochene junge Familie, die den Neu­bau eines Hauses plant. Hier läuft der Steuer­abzug für die ener­getische Sanierung ins Leere, denn diese Vergünstigung greift nur bei Objekten, die älter als zehn Jahre sind. Für die junge Familie könnte aber statt­dessen ein KfW-Förder­kredit interessant sein, der energie­effizientes Bauen fördert.

Die indivi­duelle Lebens­situation spielt für die Auswahl des passenden Angebots eine ent­scheidende Rolle.

Jakob Grotter, Steuerberater




Was sind Ihrer Meinung nach die Vor- und Nach­teile der jeweiligen Variante?

Diese Frage lässt sich pauschal schwer beant­worten. Zeigt sich zum Beispiel, dass ein Steuer­abzug nicht sinnvoll ist, kann alternativ eine KfW-Förderung geprüft werden. So hat die Bundes­regierung die Förder­bedingungen für den "Zuschuss 430" ab 01.01.2020 angepasst. Hierdurch wird ein Zuschuss bis zu 48.000 € für die Sanierung zum KfW-Effizienz­haus oder 10.000 € für Einzel­maßnahmen gewährt. Allerdings gilt es zu beachten, dass eine Doppel­förderung durch eine Steuer­entlastung und die KfW-Förderung ausge­schlossen ist. Der Kunde muss sich also für die für ihn günstigste Variante entscheiden. 

Grundsätzlich kann man aber fest­halten, dass die steuerliche Förderung sehr unbüro­kratisch gehalten wurde. Verein­facht gesprochen benötigt der Kunde eine Rechnung von dem mit der Baumaß­nahme beauf­tragten Fach­unter­nehmen und eine zugehörige Fach­unternehmer­bescheinigung. Zudem darf die Rechnung nicht in bar bezahlt werden. Eine vor­herige Förder­zusage für das Sanierungs­vorhaben (wie z.B. bei einem KfW-Zuschuss) ist im Rahmen der steuerlichen Förderung nicht notwendig.


Es ist natürlich zu begrüßen, dass durch den Gesetz­geber neue Mög­lichkeiten geschaffen wurden, durch die zu eigenen Wohn­zwecken genutzte Gebäude bzw. Eigentums­wohnungen mit finanzieller Unter­stützung des Finan­zamts energetisch auf einen aktuellen Stand gebracht werden können. Das spart nicht nur Steuern, sondern lang­fristig auch bares Geld auf­grund der ver­besserten energetischen Eigen­schaften des Objekts. Nicht zu vergessen ist zudem der bessere Schutz der Umwelt. 

Nichts­destotrotz kann es zu Situationen kommen, in denen die Kosten der ener­getischen Sanierung steuerlich ins Leere laufen. Für diese Fälle wäre eine Vortrags­möglichkeit von nicht genutztem Steuer­sparpotential in Folge­jahre wünschens­wert gewesen. Alter­nativ hätte der Gesetz­geber darüber nach­denken können, dem Steuer­pflichtigen ein Wahlrecht für die Lauf­zeit der steuer­lichen Maßnahme einzu­räumen. So hätte die Maß­nahme besser an die individuellen Lebens­verhältnisse eines jeden einzelnen angepasst werden können.


Aktuell liegt die Sanierungs­rate bei unter einem Prozent – viel zu wenig für die Erreichung der Klima­ziele. Könnte die steuer­liche Absetz­barkeit das ändern?

Davon gehe ich fest aus. Zwar sollte jeder Haus­besitzer nicht nur um des Steuer­sparens willen eine energetische Sanierung durchführen – aber die geschaffene Mög­lichkeit ist doch sehr interessant, da sie neue Möglich­keiten für die Renovierung von privatem Wohn­raum eröffnet. Bisher gab es hierzu lediglich die steuerliche Begünstigung von Hand­werker­leistungen, Stichwort "§ 35a EStG". In der jetzt vor­liegenden Konstellation kann ein Haus­besitzer energetisch sanieren und begleitende Ar­beiten (die nicht steuerlich begünstigt sind im Rahmen der ener­getischen Sanierung) eventuell zusätzlich als Hand­werker­leistungen nach § 35a EStG von der Steuerschuld in Abzug bringen. Theo­retisch können daher über 3 Jahre gerechnet in Summe Kosten von bis zu 218.000 Euro geltend gemacht werden, die zu Steuer­ermäßigungen von bis zu 43.600 Euro führen können. Das halte ich für eine sehr inte­ressante Option, die jedem privaten Haus­besitzer eine Über­legung wert sein sollte.


Höhe und Staffelung der Steuerförderung für Gebäudesanierung


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09.07.2020 12:10:42