mit-sicherheit-eps.de mit-sicherheit-eps.de

Recycling von EPS: Kreislauf­wirtschaft im Blick


Noch werden über 80 Prozent des expandierten Polystyrols (EPS) aus dem Bausektor nach dessen Einsatz energetisch verwertet. Das könnte sich bald ändern: Denn mit dem so genannten Polystyrene-Loop-Verfahren ist es künftig möglich, aus bereits verwendetem EPS wieder hochwertige neue Produkte herzustellen. Damit wäre der Wertstoffkreislauf geschlossen.


Die Verwertung von Abfällen aus Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) wird immer wichtiger: Fielen in Deutschland 2015 etwa 32.000 Tonnen EPS-Abfälle aus dem Bau an, wird es laut Berechnungen von Marktforscher Conversio im Jahr 2030 bereits knapp die doppelte Menge sein. Im Jahr 2050 sind sogar 85.000 Tonnen EPS prognostiziert (und damit auch 824 Tonnen des seit 2016 verbotenen Flammschutzmittels HBCD). In der Regel wird das rückgebaute EPS energetisch verwertet. "Statt den EPS-Abfall in Müllverbrennungsanlagen zu entsorgen, haben innovative neue Methoden das Potenzial, nicht mehr benötigtes EPS höherwertig zu nutzen", sagt Prof. Sabine Flamme, Vorstandssprecherin des IWARU Instituts für Infrastruktur, Wasser, Ressourcen und Umwelt an der FH Münster und wissenschaftliche Beirätin des Forums für sicheres Dämmen mit EPS (FSDE).

Conversio Market & Strategy GmbH Entwicklung des HBCD-haltigen EPS-Bauabfallaufkommens von 2015 bis 2050

Energie aus HBCD-haltigem EPS gewinnen

Die Herausforderung ist bekannt: Alte EPS-Dämmstoffe, etwa aus rückgebauten Wärmedämmverbundsystemen, dürfen aufgrund des bis 2015 eingesetzten Flammschutzmittels HBCD nicht recycelt werden. Daher müssen sie einer "energetischen Verwertung" zugeführt werden, d. h. das EPS wird nach seiner Nutzung verbrannt. Der Heizwert von einem Kilogramm EPS-Dämmstoff entspricht mit 11 kWh in etwa dem von Heizöl. Mit dem Unterschied, dass EPS während seiner Nutzung zunächst jahrzehntelang Energie einspart, statt direkt zu ihrer Erzeugung verbrannt zu werden, wie ca. 90% des weltweit geförderten Erdöls. Die bei der Verbrennung in einem konventionellen Müllheizkraftwerk gewonnene Wärme (ca. 8 kWh/kg) kann sowohl für Strom als auch für Fernwärme genutzt werden.


Die Praxis: energetische Verwertung und werkstoffliches Recycling

Das werkstoffliche Recycling ist das bisher einzige praktizierte Recycling. Verschnitt auf Baustellen wird dabei zusammen mit Produktionsresten zunächst auf Korngröße zerkleinert und zu sogenannten Rezyklatplatten verarbeitet, die später zu Formteilplatten weiterverarbeitet und etwa als Grundmauerschutz- oder Drainageplatten sowie als Dämmung für die oberste Geschossdecke eingesetzt werden können. Allerdings ist es wichtig darauf zu achten, dass die EPS-Reste kein HBCD als Flammschutzmittel enthalten, das seit 2016 nicht mehr verwendet werden darf. In heute verbautem EPS kommt Polymer-FR zum Einsatz, das gesundheitlich unbedenklich ist. Um auszuschließen, dass es sich bei dem verwendeten EPS um HBCD-haltige Baustoffe handelt, rät IVH-Technikgeschäftsführer Ulrich Meier zunächst dazu, nachzuschauen, wann es installiert worden ist: "Bei EPS, das nach 2015 verbaut wurde, ist ohnehin klar, dass es kein HBCD enthält. Oft weisen zudem Gütezeichen wie das BFA-Siegel der EPS-Industrie auf den Produkten darauf hin, wann sie qualifiziert und deklariert wurden." Die eigentliche Herausforderung besteht allerdings bei Produkten, die in der Übergangszeit von 2014 bis Ende 2015 verbaut wurden. Hier hilft eine Materialanalyse, um herauszufinden, ob HBCD-haltiges EPS verwendet wurde.


Bei EPS, das nach 2015 verbaut wurde, ist ohnehin klar, dass es kein HBCD enthält. Oft weisen zudem Gütezeichen wie das BFA-Siegel der EPS-Industrie auf den Produkten darauf hin, wann sie qualifiziert und deklariert wurden.

Ulrich Meier, Geschäftsführer Technik beim IVH



Die Zukunft der geschlossenen Kreisläufe Recycling mit Polystyrene Loop

Komplett schließen lässt sich der Kreislauf einer verschmutzten und jahrelang im Einsatz befindlichen EPS-Dämmplatte in naher Zukunft. Das Ziel der Initiative Polystyrene Loop ist es, aus gebrauchten letztlich wieder hochwertige neue Produkte herstellen zu können. Im Falle von EPS hieße das, rückgebautes EPS zu sammeln, in Lösemittel aufzulösen, daraus ein Polystyrol-Regranulat herzustellen und neu aufzuschäumen. Das wäre nachhaltiger als die derzeitige Verbrennung oder auch das "Down-Cycling", das dadurch gekennzeichnet ist, dass minderwertigere Produkte aus Abfällen hergestellt werden. Würde es also gelingen, diesen letzten Schritt zu optimieren, wäre der Kreislauf geschlossen – und die Umweltwirkung entsprechend verbessert. Ein "vergleichsweise umweltfreundliches Produkt, das mindestens gleichauf" mit nachwachsenden Rohstoffen anzusehen sei, würde entstehen, meint der Kreislaufwirtschafts-Experte Philip Sommer von der DUH.


An Sammelstellen Dämmplatten auflösen

Ein weiterer Ansatz kommt von Polystyvert. Das kanadische Startup zeigt in einem Video, wie sich ein kleines Stück expandiertes Polystyrol in wenigen Sekunden auflöst, nachdem es in einem Glas mit einer chemischen Lösung übergossen wird. Der aufgeschäumte Dämmstoff, der zu 98 Prozent aus Luft besteht, fällt buchstäblich in sich zusammen. Diese Eigenschaft machen sich die Kanadier zunutze, indem sie an Sammelstellen Behälter mit einem spezifischen Lösungsmittel füllen und die Dämmplatten darin auflösen. "Wir wissen derzeit noch nicht, ob bei diesem neuen Verfahren die Qualität des zurück gewonnenen Polystyrols tatsächlich für die Produktion neuer hochwertiger EPS-Platten ausreichen wird", kommentiert Ulrich Meier, technischer Geschäftsführer des Industrieverbands Hartschaum (IVH), "allerdings zeigt auch dieses Projekt, dass Bewegung in den Recycling-Prozess von Styropor kommt."




Die Initiativen Polystyvert als auch PolyStyreneLoop zeigen: Bis der Verwertungskreislauf von EPS geschlossen sein wird, ist es nur noch eine Frage der Zeit.


Fazit: EPS ist auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft

  • Die rückgebauten Mengen an EPS nehmen zu. Im Jahr 2050 werden nach einer Prognose 85.000 Millionen Tonnen EPS anfallen.

  • EPS kann energetisch verwertet werden. Pro Kilogramm EPS entstehen 11 kWh Wärmeenergie.

  • Verschnitt auf Baustellen und Produktionsreste können zu Rezyklatplatten verarbeitet werden, die etwa in der obersten Geschossdecke verwendet werden können.

  • Eine geschlossene Kreislaufwirtschaft erfordert, dass aus dem rückgebauten EPS wieder Polystyrol gewonnen wird und neue hochwertige Produkte hergestellt werden. Eine entsprechende Anlage ist in Planung.

  • Die EU-geförderte Initiative PolyStyreneLoop setzt auf ein spezielles Lösemittelverfahren, das in der Lage ist, EPS in seine Bestandteile zu zerlegen.



Mehr zum Thema



Unsere Partner


06.11.2019 19:26:49