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EPS und Nachhaltigkeit


Nachhaltiges Wirtschaften zählt zu den entscheidenden Zukunftsaufgaben jeder Volkswirtschaft. Dem Baubereich und insbesondere dem Gebäudebestand kommen bei der Bewältigung globaler ökologischer Herausforderungen besondere Bedeutung zu. Ziel ist, einen hohen Lebensstandard bei geringem Ressourcenverbrauch und mit möglichst wenig Emissionen zu realisieren. Dämmsysteme mit EPS sparen Heizenergie und reduzieren damit klimaschädliche Schadstoff-Emissionen. Ihre Herstellung benötigt zwar Rohstoffe und Energie, die aber durch die erzielten Einsparungen während der langjährigen Nutzungsphase um ein Vielfaches übertroffen werden.


EPS hat eine sehr gute Energiebilanz

Der notwendige Energieaufwand, um ein Einfamilienhaus mit 130 m² Fassadenfläche mit EPS-Wärmedämmung auszustatten, entspricht in etwa der Energie, die benötigt wird, um 10.000 Kilometer Auto zu fahren. Die Energie, die für die Herstellung von expandiertem Polystyrol nötig ist (“graue Energie”), wird durch seine Dämmwirkung und die damit verbundene Einsparung von Heizenergie in der Regel nach bereits ca. 2,5 Jahren egalisiert. Den reinen Verbrauch an Erdöl spart eine EPS-Fassadendämmung bereits innerhalb einer Heizperiode wieder ein. Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie haben festgestellt, dass die energetische Amortisationszeit von Dämmstoffen generell “deutlich unter zwei Jahren liegt”.

Alle Dämmstoffe haben eine sehr positive Energiebilanz, d. h. der Energieaufwand zu ihrer Herstellung liegt um ein Vielfaches unter der Energiemenge, die im Laufe ihrer Nutzungsphase eingespart wird.

Umweltbundesamt



Lange Lebensdauer = hohe Einsparung

Die hohe Haltbarkeit über 40 und mehr Jahre zahlt direkt in die Energiebilanz des Dämmstoffes EPS ein, der Jahr für Jahr einen großen Teil der bisher aufgewendeten Heizenergie einspart. Wie viel genau, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Grundsätzlich gilt: Je älter und energetisch schlechter ein Gebäude ist, desto größer sind seine energetischen Einsparpotenziale und desto schneller amortisiert sich die Wärmedämmung aus energetischer Sicht. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rechnet vor: “Eine Wand mit einem sehr schlechten U-Wert von 1,4 kann zum Beispiel mit einer 14 Zentimeter dicken Dämmschicht auf einen guten Wert von 0,2 kommen. Im Klartext: Durch die ungedämmte, ‘nackte’ Wand geht sieben Mal mehr Wärme verloren als durch die gedämmte.”


Entsorgung von EPS-Dämmstoffen

Bei der Entsorgung von EPS-Dämmstoffen ist zunächst zu unterscheiden, ob es sich um sortenreines Material wie z. B. Produktions- oder Schnittabfälle oder Material aus rückgebauten Wärmedämmverbundsystemen handelt. Das Recycling von sortenreinen EPS-Dämmstoffen aus Produktionsabfällen oder Restmaterial der Montage vor Ort funktioniert seit vielen Jahren nach bewährten Verfahren. Dieses EPS wird beispielsweise dem Produktionszyklus wieder zugeführt oder in gemahlener Form als Leichtzuschlag für Mörtel, Putz oder Beton verwendet.

Sortenreines EPS kann problemlos wieder dem Produktionszyklus zugeführt werden

Entsorgung von EPS/XPS aus dem Baubereich


Verwertung von Styropor aus rückgebauten WDVS

Alte EPS-Dämmstoffe, z. B. aus rückgebauten Wärmedämmverbundsystemen, dürfen aufgrund des bis 2015 eingesetzten Flammschutzmittels HBCD nicht recycelt werden. Daher müssen sie einer energetischen Verwertung zugeführt werden, d. h. das EPS wird nach seiner Nutzung verbrannt. Das klingt nach Verschwendung, ist es aber nicht:

Sieht man davon ab, dass EPS zu 98 % aus Luft besteht, so basiert es zum allergrößten Teil auf Erdöl. Daher weist es ein sehr großes energetisches Potenzial auf, das in Verbrennungsanlagen mit energetischer Rückgewinnung genutzt werden kann. Der Heizwert von einem Kilogramm EPS-Dämmstoff entspricht mit ca.11 kWh in etwa dem von Heizöl. Mit dem Unterschied, dass zu EPS verarbeitetes Öl während seiner Nutzung zunächst jahrzehntelang Energie einspart, statt direkt zu ihrer Erzeugung verbrannt zu werden wie ca. 90 % des weltweit geförderten Erdöls. Die bei der Verbrennung in einem konventionellen Müllheizkraftwerk gewonnene Wärme (ca. 8 kWh/kg) kann sowohl für Strom als auch für Fernwärme genutzt werden. Ressourcenschonender als in einer Dämmplatte an einem 40-60 Jahre lang gut gedämmten Haus lässt sich ein Liter Erdöl kaum einsetzen.



Neue Recycling-Ansätze mit ökologischen Vorteilen

Die Prognosen, wie viel zu verwertendes Styropor aus rückgebauten Dämmungen in Zukunft zu erwarten ist, variieren. Eine aktuelle Studie geht von Rückbaumengen für den Bereich Bau (Sanierung und Abbruch) von derzeit ca. 37 Kilotonnen EPS aus und prognostiziert bis 2050 eine Größenordnung von ca. 85 Kilotonnen pro Jahr.

Versuchswerk. PolyStyreneLoop, 2018 Das geplante Versuchswerk in Terneuzen (Niederlande) wird eine Kapazität von ca. 3.000 t pro Jahr haben

Bis zu einer umfassenden Aufbereitung wird noch etwas Zeit vergehen. Betrachtet man jedoch die lange Nutzungszeit von WDV-Systemen mit EPS, sind wir sicher, dass ressourceneffiziente Verfahren zukünftig am Markt verfügbar sein werden.

Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme forscht und lehrt an der FH Münster im Fachbereich Bauingenieurwesen zu Ressourcen-, Stoffstrom- und Infrastrukturmanagement


Recycling im Labormaßstab schon heute möglich

Labortechnisch ausgearbeitet ist inzwischen ein physikalisch-chemisches Verfahren, bei dem auch verunreinigte Dämmstoffe und solche, die das bis 2015 übliche Flammschutzmittel HBCD enthalten, in ihre Grundbestandteile aufgelöst und erneut in den ursprünglichen Produktionsprozess eingeschleust werden können. Dieses sog. “PSLoop”-Verfahren geht in Kürze in den technischen Großversuch. Eine Bewertung seiner Wirtschaftlichkeit steht daher noch aus und wird nach diesem Versuch erfolgen. Aktuelle Informationen finden Sie auch auf der Website von PolyStyreneLoop.

Es gibt also derzeit noch keine Recyclinganlagen, die alte EPS-Dämmstoffe aufbereiten. Damit stellt die energetische Verwertung von EPS/XPS-Bauabfällen auf absehbare Zeit die ökologisch und ökonomisch sinnvollste Verwertungsmethode dar.


Längere Nutzung durch Aufdoppelung

Bevor sich die Frage stellt, eine Fassadendämmung mit EPS zurückzubauen, bietet sich eine Alternative an: Wenn ein WDVS mit EPS-Dämmstoff den energetischen Anforderungen nicht mehr genügt, lohnt es sich, über eine Aufdoppelung der Dämmschicht nachzudenken. Diese Maßnahme hebt eine in die Jahre gekommene Gebäudehülle meist auf einen sehr hohen, modernen Energiestandard. Ein Gebäude mit einer zusätzlichen Dämmschicht und frischem Putz wirkt wie neu und bietet höheren Wohnkomfort. Außerdem ist diese Methode kostengünstiger als ein Komplettaustausch des WDVS; die Lebensdauer einer älteren EPS-Dämmung verlängert sich so laut Fraunhofer-Institut für Bauphysik maßgeblich: “Die Nutzungsdauer des WDVS lässt sich damit auf einen Zeitraum bis 120 Jahren ausdehnen.”


Seit 2015 wird das unbedenkliche Flammschutzmittel Polymer-FR verwendet

Um eine maximale Brandsicherheit zu gewähren, werden Dämmstoffe wie EPS und auch solche aus nachwachsenden Rohstoffen wie z. B. Holzweichfaserdämmplatten mit einem Flammschutzmittel versehen. Bei EPS verwenden die im Industrieverband Hartschaum (IVH) organisierten deutschen EPS-Hersteller heute das ökologisch wie gesundheitlich unbedenkliche Polymer-FR.

Das langkettige Molekül Polymer-FR ist ein Kunststoff. Es ist nicht wasserlöslich, kann von Lebewesen nicht aufgenommen oder verdaut werden und tritt nicht aus EPS aus

Das bioverfügbare “kleine Molekül” Hexabromcyclododekan (HBCD) ist in Europa mittlerweile verboten

Auch mit Brandschutzmittel HBCD kein “gefährlicher Abfall”

Bis Anfang 2015 kam zur Sicherstellung der Schwerentflammbarkeit von WDVS auch das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) zum Einsatz. Es wurde über die “REACH”-Verordnung der EU ab August 2015 verboten, nachdem anhand von Studienergebnissen eine Umweltgefährdung nicht ausgeschlossen werden konnte.

HBCD ist in die Struktur des EPS-Rohstoffes fest eingebaut und tritt in der Praxis beim Brechen, Sägen oder Schneiden nicht aus. Es ist nicht ab- oder auswaschbar und dünstet nicht aus EPS-Dämmplatten aus. Die Platten erfüllen die Kriterien des Ausschusses zur gesundheitlichen Bewertung von Baustoffen (AgBB) und die strengen Anforderungen für den Einsatz in Innenräumen. Bei thermischer Verwertung in einer Verbrennungsanlage wird HBCD rückstandsfrei zerstört.


Die abfalltechnische Neueinstufung von HBCD-haltigem EPS war nur vorübergehend

Nachdem es Ende 2016 vorübergehend zu einer abfalltechnischen Neueinstufung von Dämmstoffen mit HBCD und in der Folge auf Baustellen zu Entsorgungsengpässen sowie teils drastischen Gebührenerhöhungen der Entsorger gekommen war, stellte der Bundesrat am 7. Juli 2017 fest, dass EPS-Dämmplatten mit HBCD nicht als “gefährlicher Abfall” einzustufen sind und bei ihrer Entsorgung keine Sondergenehmigung, sondern nur ein (elektronischer) Nachweis erforderlich ist. Der örtliche Entsorger muss HBCD-haltige Dämmstoffe jedoch getrennt von anderen Baustoffen annehmen.



Fazit: EPS ist ein ökologisch sinnvoller Dämmstoff

  • Die ökologische Bewertung von EPS als Dämmstoff ist aufgrund der hohen Energieeinsparung und damit der Reduzierung des CO₂-Ausstoßes sehr positiv.

  • Nach Ende einer jahrzehntelangen Nutzung liefert seine energetische Verwertung – der heute gängige Weg der Entsorgung – erneut Energie, die wiederum in Wärme oder Strom umgewandelt werden kann.

  • In ökologischer Hinsicht amortisiert sich jeder gängige Fassadendämmstoff binnen weniger Jahre.

  • EPS, das zu 98 % aus Luft besteht, verfügt über eine Ökobilanz, die sich mit anderen Dämmstoffen messen kann – das umfasst auch Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen.

  • Vielversprechende Verfahren zum Recycling existieren bereits, sind der breiten Öffentlichkeit jedoch kaum bekannt und bisher großtechnisch noch nicht wirtschaftlich einsetzbar.

  • EPS-Dämmstoffe sind seit über 60 Jahren im Einsatz. Negative Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Umwelt sind nicht bekannt.

  • Um die Klimaschutzziele zu erreichen, werden alle Dämmstoffarten benötigt – gerade das in großen Mengen produzierbare und nachgefragte Polystyrol.



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09.11.2018 16:51:51